Skip to main content
Author

von Sebastian

Zuletzt aktualisiert am: 15. Dezember 2019

Anonym surfen: So geht’s

Bei der Internetnutzung haben Akteure wie die Werbewirtschaft, Internetkonzerne, Cyberkriminelle, Hacker und Behörden viele Möglichkeiten, euch zu überwachen und so viel über euch zu erfahren. Durch entsprechende technische Werkzeuge könnt ihr eure Datenspur reduzieren und im Netz unerkannt bleiben.

  • Am eindeutigsten seid ihr durch Nutzungsdaten im Browser (z. B. Cookies) sowie durch eure IP-Adresse identifizierbar. Die Nutzungsdaten könnt ihr durch Browser-Einstellungen oder die Nutzung privater Fenster kontrollieren. Das ändert aber nichts an der Sichtbarkeit eurer IP-Adresse.
  • Ihr solltet immer über HTTPS surfen, damit Lauscher nicht mitbekommen, welche Daten ihr übertragt.
  • Ein Tracking-Blocker wie Ghostery hilft, Verfolger eurer Online-Bewegungen abzuschütteln.
  • Um auch eure IP-Adresse zu verschleiern, ist mindestens ein Proxy-Server nötig, der euren Datenverkehr umleitet. In der Praxis erledigt das am besten ein System wie Tor oder ein VPN.
  • Tor ist ein von Freiwilligen betriebenes Netzwerk, das ihr kostenlos nutzen könnt. Standardmäßig ist dabei allerdings nur der Browser-Traffic anonymisiert, also etwa nicht E-Mail-, Messenger- oder Skype-Traffic.
  • VPNs sind meist kommerzielle Angebote. Diese leiten euren Datenstrom um, sodass euer Provider nicht mehr weiß, welche Daten ihr übertragt. Außer dem VPN-Anbieter selbst bekommt niemand mehr eure IP-Adresse mit.
  • Mit Tor über VPN habt ihr ohne allzu viel Aufwand ein Maximum an Anonymität im Internet.

Cyberkriminelle, Ermittlungsbehörden, Geheimdienste und Werbewirtschaft haben eins gemeinsam: Sie interessieren sich für eure persönlichen Daten und euer Nutzungsverhalten im Internet. Vieles spricht also für anonymes Surfen. Doch ist das überhaupt möglich und wenn ja, wie? Dieser Artikel gibt euch einen schnellen Überblick über die Möglichkeiten, unerkannt die Vorzüge des Internets zu nutzen.

Für Eilige: Den besten Schutz für eure Daten und Identität bekommt ihr, wenn ihr über das Tor-Netzwerk oder über ein Virtuelles Privates Netzwerk (VPN) ins Internet geht – oder sogar Tor und VPN gleichzeitig nutzt. Über VPN könnt ihr euch ausführlich in unserem großen VPN-Anbieter-Test 2019 informieren.

Doch bevor ihr euch ins anonyme Vergnügen stürzt, solltet ihr einen Überblick haben, wie diese Technologien funktionieren. Wenn ihr beispielsweise einen Browser mit Standard­ein­stellungen verwendet, sind wahrscheinlich etliche Cookies auf eurer Festplatte, die eure Identität verraten. Wenn ihr mit diesem Browser ins Netz geht, schützt auch kein VPN davor, dass die Gegenseite diese Cookies ausliest und euch daran erkennt.

Auch der Tor-Browser löscht Cookies nur nach jeder Sitzung, aber nicht im Verlauf einer Sitzung. Wenn ihr euch damit also auf einer Website mit Nutzerkonto anmeldet und unmittelbar danach eine andere besucht, könnte deren Betreiber anhand eurer Cookies eure Identität ermitteln. Daher vorab ein ganz klein wenig Theorie.

Eure Datenspur im Internet

Eine Webseite anzuschauen ist etwas anderes, als in ein Schaufenster zu schauen. Im Netz schaut ihr nicht bloß etwas an, das irgendwo ausgestellt ist. Vielmehr kontaktiert ihr den Anbieter, damit er euch bestimmte Informationen zuschickt.

Wenn ihr eine Webseite anschaut, dann habt ihr eine Kopie dieser Webseite vor euch, die der Server auf Anfrage an euch geschickt hat. Der Abruf einer Webseite ähnelt eher dem Bestellen einer Broschüre per Post als dem Schaufensterbummel.

  • Verschleierte IP-Adresse in Kanada mit VPN

    In Montreal war ich noch nie – meine IP-Adresse schon, VPN macht’s möglich

Anstelle eurer Postanschrift erhält der Server – und damit potenziell dessen Betreiber – eure IP-Adresse und einige Informationen über eure Hard- und Software.

IP-Adresse: Eure (öffentliche) Anschrift im Internet

Die IP-Adresse ist mit einer Anschrift oder auch mit einer Telefonnummer vergleichbar. Es ist eine einzigartige Nummernfolge, die euren Anschluss im Netz identifiziert. Wenn ihr Informationen anfordert, muss der Server wissen, wohin er diese Informationen senden soll. Dazu dient die IP-Adresse.

Diese Adresse ist nicht an ein Endgerät gebunden, sondern an einen Anschluss. In der Regel bekommt ihr vom Provider jede Sitzung eine neue IP-Adresse zugewiesen.

Das heißt, zu jeder Zeit kann nur ein einziger Anschluss mit einer bestimmten IP-Adresse unterwegs sein. Euer Provider weiß, welchem Anschluss zu einem bestimmten Zeitpunkt eine bestimmte IP-Adresse zugeordnet war. Das bedeutet zweierlei:

  1. Euer Provider ist umfassend informiert, welche Webseiten ihr besucht.
  2. Anhand der IP-Adresse können auch andere Parteien herausfinden, wer hinter bestimmten Online-Aktivitäten steckte. Sie müssen nur den Provider dazu bringen, diese Information herauszurücken. Dies geht zum Beispiel per Gerichtsbeschluss und geschieht regelmäßig zur Verfolgung von Urheber­rechts­verletzungen durch Filesharing.
  • Das Problem ist, dass von euch abgerufene Daten euren Computer auch „finden“ müssen. Das geht nicht, ohne eure IP-Adresse mitzuteilen. Ich komme unten darauf zurück, wie Tor und VPN dieses Problem lösen. Hier erfahrt ihr mehr darüber, wie ihr eure IP-Adresse verbergen könnt.

Doch es gibt noch weitere undichte Stellen neben der IP-Adresse:

Cookies: Browser-Krümel mit Wieder­erkennungs­effekt

  • Dies sind kleine Textdateien, in denen eure Browser auf Anfrage von Webseiten Nutzerinformationen speichern. Der klassische Anwendungsfall ist das ständige Angemeldetsein beispielsweise bei Facebook. Das Cookie verrät dem Facebook-Server eindeutig, dass ihr es seid. Dies ist bequem, da ihr euch nicht neu einloggen müsst. Es ermöglicht aber auch Facebook, euch überall im Netz zu verfolgen, wo ein entsprechender Facebook-Code eingebaut ist. Das Gleiche gilt für Google und andere große Internet-Unternehmen.

Hard- und Softwarekonfiguration: Am Set-up erkannt

  • Euer Browser teilt dem Server bei einer Anfrage einiges über euren Computer mit. Dazu gehört das Betriebssystem, der Browser, die Auflösung des Displays oder Monitors, die Bibliothek installierter Schriftarten und vieles mehr. Je nachdem, wie einzigartig eure Konfiguration ist, kann diese zusammen mit eurem Nutzungsverhalten Hinweise auf eure Identität geben – ähnlich etwa einer Beschreibung der Kleidung, die ihr an einem bestimmten Tag getragen habt.

Soweit in groben Zügen das Problem mit der Datenspur im Internet. In den nächsten Abschnitten stelle ich die wichtigsten Mittel vor, um eure Identität und Geheimnisse im Netz zu schützen.

Anonym surfen mit VPN und Tor

VPN und Tor sind unterschiedliche und voneinander unabhängige Technologien. Ihre wesentliche Gemeinsamkeit ist, dass euer Datenstrom mit beiden einen Umweg nimmt. Dadurch bleibt eure IP-Adresse gegenüber anderen Rechnern verborgen, mit denen ihr Daten austauscht.

  • Screenshot der Tor-Homepage, Stand: Dezember 2019

    Verfolgung, Überwachung, Zensur: Das Tor-Netzwerk erklärt seinen Zweck mit starken Worten

VPN: Der verschlüsselte Datentunnel

VPN steht für „virtuelles privates Netzwerk“. Technisch bedeutet dies, dass ihr euch durch einen verschlüsselten Datentunnel mit einem VPN-Server verbindet und euer sämtlicher Datenverkehr über diesen Server fließt. Die sonstigen Server, mit denen ihr interagiert, „sehen“ auf diese Weise nur den VPN-Server bzw. dessen IP-Adresse.

Damit ihr eure Daten bekommt, muss der VPN-Server diese an eure IP-Adresse weiterleiten. Es gibt also eine Datenspur, die man theoretisch zu euch zurückverfolgen kann. Doch die VPN-Anbieter versprechen, die Verbindungsdaten nicht zu speichern.

In unserem Artikel über die besten 5 VPN-Anbieter ohne Logs findet ihr alle wichtigen Anbieter, die eure Online-Privatssphäre am besten schützen. Mein all-time favorite mit No-Logs-Policy ExpressVPN empfehle ich euch gern als besten VPN-Service ohne Logs.

  • ExpressVPN

    ExpressVPN ist ein weltweit führender VPN-Anbieter

    6,67 USD pro Monat (99,95 USD für 15 Monate, dann jährlich)

Wenn also einer ihrer Server gehackt oder beschlagnahmt wird, ist nachträglich nicht mehr rekonstruierbar, welcher Nutzer zu einem bestimmten Zeitpunkt mit einer bestimmten IP-Adresse unterwegs war.

Dieses System steht und fällt mit der Vertrauenswürdigkeit des VPN-Anbieters. Er könnte leicht verfolgen und aufzeichnen, wozu ihr die Verbindung nutzt. Ihr müsst euch darauf verlassen, dass dies nicht geschieht.

Daher ist eine überlegte Auswahl eines Anbieters wichtig. Seht euch Rezensionen und Erwähnungen in der Fachpresse an und achtet darauf, wie lange die Unternehmen schon – ohne Datenpanne hoffentlich – am Markt sind. Seht euch die „Log Policy“ in ihren Datenschutzbestimmungen an. Lasst die Finger von unbekannten VPN-Anbietern mit zweifelhaften Geschäftsmodellen, die mit Werbung arbeiten.

Ein weiterer VPN-Vorteil neben der verschleierten IP-Adresse ist, dass der Datentunnel verschlüsselt ist. Dadurch ist auf den Rechnern eures Zugangsproviders nicht mehr dokumentiert, welche Webseiten ihr besucht. Er sieht nur, dass ihr euch mit dem VPN verbindet und dass verschlüsselte Daten durch die Verbindung strömen.

  • ExpressVPN Website mit Informationen zur Verschlüsselung privater Daten

    ExpressVPN stellt viele Informationen zum Thema Internetsicherheit auf seiner Website zur Verfügung

Nach Theorien mancher Sicherheitsexperten setzen Ermittlungsbehörden bei den Providern an, um Nutzern einen Staatstrojaner auf das System zu spielen. Für euren Provider ist es ein Leichtes, eure Anfragen umzuleiten und euch gefälschte Versionen der von euch abgerufenen Seiten unterzujubeln.

Wir gehen mal davon aus, dass dies kein häufiges Szenario ist. Aber wie dem auch sei – ein VPN kann davor schützen. Mehr zum Thema erfahrt ihr in unserem Artikel „Staatstrojaner erkennen: Was hilft gegen Überwachungssoftware?

Aus demselben Grund ist ein verschlüsseltes VPN auch das beste Mittel, um potenzielle Angreifer in öffentlichen WLAN-Netzen abzuwehren. In einem verschlüsselten Datenstrom bieten sich für sie keine Angriffspunkte.

Call Out Image

Unser großer VPN-Anbieter Test 2019

Wir haben für euch die besten VPN-Dienste getestet, die euch garantiert vor Abmahnungen schützen und anonym surfen lassen

Jetzt lesen

Tor: Anonym surfen kostenlos mit dezentraler Anonymisierung

Während ihr bei der VPN-Nutzung immer auf einen gewählten Anbieter angewiesen seid, funktioniert das Tor-Netzwerk dezentral. Dementsprechend kostet es auch nichts.

Tor ist ein Netzwerk von Servern, die Interessierte freiwillig betreiben. Ja, das klingt unsicher. Aber der Trick ist, dass eure Daten immer über mindestens drei Tor-„Relays“ laufen, wie die Server hier heißen. Die Verbindung von euch zum ersten Relay sowie die zwischen den Relays sind verschlüsselt. Wenn ihr HTTPS verwendet, was auf jeden Fall zu empfehlen ist, ist auch die Verbindung vom Ausgangs-Relay zur abgerufenen Webseite verschlüsselt.

Wenn das kompliziert klingt, keine Sorge. Zum Netzwerk gehört ein entsprechend eingerichteter sicherer Browser. Dieser beruht auf Firefox und nennt sich naheliegend Tor-Browser. Eine einfache Installation genügt, um ins anonyme Tor-Netzwerk zu starten. Um technische Details müsst ihr euch dann nicht kümmern.

  • Download-Seite des Tor-Browsers

    Der Tor-Browser kann auf vielen Betriebssystemen installiert werden

Anonym surfen könnt ihr mit dem Tor-Browser also kostenlos und müsst keinem kommerziellen Anbieter vertrauen. Allerdings müsst ihr darauf setzen, dass genug Relays ordnungsgemäß funktionieren und vertrauenswürdig sind, um eure Datenspur zu verwischen. Das ist wahrscheinlich der Fall, aber hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht.

Neben der Anonymität eröffnet das Tor-Netzwerk euch Zugang zum sogenannten Darknet. Dies ist eine Art Unterwelt des Internet. Hier haben Webseiten die Endung .onion. Sie sind nur über den Tor-Browser erreichbar und von Suchmaschinen wie Google nicht indexiert.

Ein Nachteil ist, dass Tor relativ langsam ist – für große Downloads eignet es sich weniger. Wichtig ist auch zu beachten, dass bei gewöhnlicher Nutzung mit dem Tor-Browser nur der Browser-Traffic geschützt ist. Ihr müsstet jede Software gesondert konfigurieren, deren Datenverkehr über Tor laufen soll. Das ist kaum praktikabel.

Außerdem spielen sich im Darknet nicht nur, aber auch, illegale Aktivitäten aller Art ab. Das zieht neben Kriminellen auch Ermittler und Geheimdienste an, deren Aufmerksamkeit ihr dort auf euch ziehen könntet. Tor zu nutzen ist völlig legal, aber ihr solltet euch darüber im Klaren sein, worauf ihr euch einlasst – und alle Vorsichtsmaßnahmen einhalten.

Da es relativ wenige Tor-Nutzer gibt, ist es umso wichtiger, einen möglichst durchschnittlichen Tor-Browser zu verwenden. Jede individuelle Besonderheit eurer Konfiguration kann ein Indiz sein, um euch zu identifizieren. Der Browser sollte keine Nutzungsdaten (Cookies, Cache, Verlauf) aus früheren Sitzungen gespeichert haben, und HTTPS ist ein Muss.

  • Tor-Browser Startseite

    Der Tor-Browser basiert auf Firefox und sieht ihm auch ein wenig ähnlich

Apropos Browser: Mit Tor läuft das anonyme Surfen in der Regel über Firefox, genauer gesagt, den auf Firefox basierenden Tor-Browser. Beim VPN dagegen ist der Browser völlig egal, hier könnt ihr genauso gut mit Microsoft Edge oder Google Chrome anonym surfen – ebenso wie mit Windows, macOS, Linux, iOS oder Android als Betriebssystem.

Tor über VPN

Tor und VPN zu kombinieren hat im Wesentlichen einen Vorteil: Das Eingangs-Relay des Tor-Netzwerks, mit dem ihr euch zuerst verbindet, sieht eure IP-Adresse nicht. Wenn also dieser Computer in irgendeiner Form überwacht würde, wäre eure Identität trotzdem geschützt. Das Tor-Relay erhält nur eine IP-Adresse des VPN-Anbieters.

Gleichzeitig bedeutet dies natürlich wieder, dass ihr stattdessen dem VPN vertrauen müsst. Dabei gilt, wie oben gesagt, dass ihr euch am besten an Tests und Erwähnungen in den Medien orientiert, an der Geschichte des Anbieters und an dessen eigenen Angaben und Versprechen zur Datensicherheit. Meidet Anbieter, die sich über Werbung finanzieren oder in irgendeiner Form Nutzerdaten wirtschaftlich verwerten.

  • Die Homepage von ProtonVPN

    Bequeme Nutzung des Tor-Netzwerks per Klick: ProtonVPN

Manche VPN-Anbieter haben Tor in ihr System integriert, sodass ihr euren VPN-Traffic einfach per Klick durch das Tor-Netzwerk laufen lassen könnt. Darunter NordVPN und ProtonVPN. Wenn ihr dabei aber einen gewöhnlichen Browser mit Verlaufsdaten verwendet, ist es trotz aller Umleitungen möglich, euch zu erkennen.

Daher ist die Variante mit dem Tor-Browser sicherer. Dabei stellt ihr einfach zuerst die VPN-Verbindung her und startet dann den Tor-Browser wie auf der Tor-Website beschrieben.

Anonym surfen unterwegs

Bei der Internetnutzung über mobile Endgeräte ist die Gefahr noch einmal größer, dass jemand in das System eindringt oder euer Nutzungsverhalten beobachtet. Denn diese Geräte funken und bewegen sich dabei. So entsteht eine Datenspur in eurer Umgebung. Wenn WLAN und Bluetooth aktiviert sind, während ihr durch die Stadt lauft, ist euer Gerät auf unzähligen anderen Geräten sichtbar, während ihr in deren Reichweite seid.

Öffentliche und kostenlose WLANs sind enorm praktisch, aber auch gefährlich. Hier kann beispielsweise der Betreiber beobachten, welche Webseiten ihr besucht.

Da solche Betreiber oft keine IT-Experten sind, ist mit Sicherheitslücken zu rechnen. Und schließlich bieten öffentliche WLANs große Einfallstore für Hacker.

Mehr über diese Sicherheitsrisiken in öffentlichen WLANs könnt ihr in meinem Artikel „Sicherheit im öffentlichen WLAN: Mit diesen VPNs surft ihr 2019 sicher im Web“ erfahren.

  • Onion Browser im App Store für iPhone und iPad

    Der Onion-Browser ist der Tor-Browser für iPhones und iPads

Für sowohl iOS als auch Android sind inzwischen mobile Tor-Browser verfügbar. Für die meisten Nutzer ist hier aber ein VPN praktischer, einfacher und eher zu empfehlen – schon deshalb, weil ein VPN sämtlichen Datenverkehr umleitet und nicht nur die Übertragungen des Browsers.

Wenn ihr nicht allzu viele Daten mobil abruft oder auf sehr hohe Geschwindigkeiten angewiesen seid, ist für die mobile Nutzung sogar ein kostenloses VPN eine praktikable Lösung. Gute Tipps dazu findet ihr in unserem Artikel „So surft ihr mit einem VPN kostenlos & sicher im Netz: Die 5 besten Anbieter“.

Sinnvolle Maßnahmen ohne Anonymität

Im Internet sind viele weitere Tipps und Tools zu finden, die euch helfen, sicher zu surfen. Obwohl einige davon durchaus sinnvoll sind, ist es in jedem Fall wichtig, zu wissen, was sie leisten und was nicht. Ihr dachtet, im Modus mit der Maske seid ihr safe? Nope, dumm gelaufen …

Ich muss euch darauf hinweisen, dass die Tipps und Helfer in diesem Abschnitt zwar eure Datenspur verringern, aber kein anonymes Surfen ermöglichen.

Privates Fenster / Inkognitomodus

Schon seit einigen Produktgenerationen bieten gängige Browser einen speziellen Datenschutz-Modus an. Bei Google Chrome heißt er „Inkognitomodus“, bei Firefox „Privater Modus“, bei Safari „Privates Surfen“ und bei Opera „Privates Fenster“. Von der Bezeichnung her entsteht leicht der Eindruck, dass inkognito Surfen Anonymität gewährleistet.

Das ist nicht der Fall. Eure IP-Adresse ist im privaten Modus in keiner Weise getarnt. Euer Provider sieht immer noch alle eure Verbindungen und die Gegenseite sieht eure IP-Adresse.

Der private Modus hilft im Wesentlichen nur dabei, sparsam mit lokal gespeicherten Nutzungsdaten umzugehen. Das sind in erster Linie Cookies, aber auch etwa der Verlauf besuchter Webseiten und Eingaben in Formulare.

  • Das Private Fenster im Opera-Browser

    Ein privates Fenster in Opera

Im privaten Modus beginnt ihr immer als unbeschriebenes Blatt. Für die Gegenseite sind keine Informationen aus früheren Sitzungen sichtbar. Der Browser akzeptiert neue Cookies, löscht sie aber bei Beendigung der privaten Sitzung.

Dasselbe erreicht ihr auch, indem ihr in den Einstellungen festlegt, dass der Browser Sitzungsdaten beim Schließen immer löscht. Der Vorteil des privaten Modus ist, dass ihr eure Cookies, euren Verlauf und so weiter für vertrauenswürdige Websites aufbewahren und für andere verbergen könnt.

Insofern ist der private Modus in manchen Situationen durchaus praktisch. Damit ist es zum Beispiel einfach, gleichzeitig bei einer Webseite eingeloggt zu sein und sie in einem anderen Tab „von außen“ zu betrachten. Anonymes Surfen ermöglicht der private Modus aber nicht – beziehungsweise nur, was die Cookies betrifft.

Webseiten verschlüsseln mit HTTPS

Inzwischen ist es die Norm, dass ihr abgerufene Webseiten über eine verschlüsselte Übertragung erhaltet. Zu erkennen ist das an dem „https://“ vor der Domain. Dennoch ermöglichen Browser immer noch eine unverschlüsselte Übertragung per HTTP. Sie blenden dabei einen Warnhinweis ein, doch im Eifer des Gefechts ist der schnell mal übersehen.

Daher lohnt sich die Browser-Erweiterung „HTTPS Everywhere“, die für Firefox, Chrome, Opera und Safari erhältlich ist. Sie sorgt dafür, dass euer Browser ausschließlich HTTPS-Websites abruft. Besonders wichtig ist das in öffentlichen WLANs. Aber auch für euren Internetprovider sind bei Verwendung von HTTPS zumindest die übertragenen Daten nicht mehr lesbar, obwohl er immer noch sieht, welche Seiten ihr besucht.

Tracking-Blocker

Auf kommerziellen Websites sind häufig Tracking-Codes eingebunden. Diese stellen dem Betreiber Informationen über die Nutzung der Site zur Verfügung. Wenn diese Codes zu Unternehmen gehören, die auf vielen Websites vertreten sind, können diese entsprechend eure Bewegungen im Netz verfolgen.

Das äußert sich dann zum Beispiel darin, dass ihr euch auf Website A über Einbauküchen informiert und auf Website B am nächsten Tag Werbeanzeigen für Einbauküchen seht.

Privacy Badger zeigt sechs Tracker auf der deutschen IKEA-Website

Privacy Badger zeigt die Tracker, die er auf der Website eines bekannten Möbelherstellers entdeckt und deaktiviert hat

Meist könnt ihr dies unterbinden, indem ihr Skripte im Browser deaktiviert. Doch dann funktionieren auch viele Websites nicht mehr richtig. Die Lösung ist ein Tracking-Blocker. Dies ist häufig eine Browser-Erweiterung, die Werbe-Tracker erkennt und ihre Ausführung beim Besuch der Webseite verhindert. Prominente Beispiele dafür sind Ghostery und der Privacy Badger.

Auch VPN-Anbieter integrieren mitunter einen Tracking-Blocker in ihren Service, beispielsweise „CyberSec“ von NordVPN oder „CleanWeb“ von Surfshark VPN. In meinen detaillierten NordVPN Test und Surfshark VPN Test findet ihr alle hilfreichen Information zu diesen Features.

Screenshot der Ghostery Website

Einer der bekanntesten Tracking-Blocker: Ghostery

Tracking-Blocker sind nützlich, doch auch sie bieten Anonymität nur in einem sehr eingeschränkten Sinn. Ihr übertragt damit weiterhin alle üblichen Daten an die Server, von denen ihr Webseiten abruft, einschließlich eurer IP-Adresse.

Fazit: Mehr auf Datensicherheit und Privatsphäre achten

Jedes System zum Schutz von persönlichen Informationen hat seine Schwächen. Doch es ist ein großer Unterschied, ob ihr einige grundlegende Maßnahmen ergreift oder nicht. Mit einem Standardbrowser und ohne VPN oder Tor liest zumindest die Werbewirtschaft aus eurem Verhalten wie aus einem offenen Buch.

Die Möglichkeiten, das zu verhindern, reichen von einigen simplen Browser-Einstellungen und -Erweiterungen bis hin zum anonymen Surfen über Tor und VPN. Diese Kombination ist für Laien das erreichbare Maximum und für den Alltag in der Regel nicht nötig.

Doch ein VPN bietet durch die Verschleierung eurer IP-Adresse und die Verschlüsselung des Datenstroms ein hohes Schutzniveau zu geringen Kosten und mit fast keinem Aufwand. Dazu bringt es als weiteren Vorteil die Möglichkeit, Geoblocking zu umgehen und beispielsweise per VPN auf ein größeres Netflix-Angebot zurückzugreifen. Dazu stellen VPN-Anbieter Server in aller Welt bereit – bei ExpressVPN sind beispielsweise 94 Länder mit VPN-Servern versorgt.

Jeder sollte daher heutzutage ein VPN verwenden – insbesondere bei häufigen, mobilen Surfen im öffentlichen WLAN.

Author

von Sebastian

11. August 2019

Die besten 5 VPN-Dienste 2019 ohne Logs, die eure Online-Privatsphäre schützen

Ein VPN bietet Schutz vor Cyberkriminellen und mehr Privatsphäre im Internet. Das gilt jedoch nur, wenn der Betreiber keine Logs speichert. Was bedeutet das genau und woran erkennt ihr, ob ein Anbieter vertrauenswürdig ist? Hier erfahrt ihr die Antworten und lernt die besten 5 VPNs ohne Logs kennen.

Weiterlesen

12. Oktober 2018

Proxy Server

Was ist ein Proxy-Server und wie schützt er euch im Internet?

Wenn ihr euch mit dem Thema Privatsphäre im Internet schon einmal auseinandergesetzt habt, seid ihr mit Sicherheit schon auf den ein oder anderen Proxy-Server gestoßen. Wie sicher Proxy-Server tatsächlich sind, erfahrt ihr hier.

Weiterlesen

9. Oktober 2018

VPN, Prox oder Tor

VPN, Tor oder Proxy: Wie schützt ihr euch am besten?

Wer heutzutage ungeschützt und ungesichert im Internet surft, ist selbst Schuld. Immerhin lasst ihr beim Verlassen der Wohnung ja auch...

Weiterlesen

11. Juni 2019

Die 5 besten VPNs für den Tor Browser

Den besten VPN für den Tor Browser zu finden ist nicht einfach. Vor allem nicht, wenn der Support seitens vieler VPN-Anbieter ausbleibt. Welcher VPN für Tor besonders gut geeignet ist, erfahrt ihr hier!

Weiterlesen

2 Kommentare


aGrade 17. Dezember 2019 um 08:03

Soweit ich weiß muss man nicht unbedingt zwischen Tor und VPN wählen, es geht auch so, dass man die beiden zusammen nutzen kann wie bei NordVPN. Dieser stellt die onion over VPN Funktion zur Verfügung, wobei Tor und VPN in Kombination miteinander laufen. Selber hab ichs noch nicht ausprobiert, mir reicht das übliche VPN völlig aus aber wahrscheinlich findet jemand diese Funktion nützlich.

Antworten

Sebastian 18. Dezember 2019 um 13:30

Jepp, die Option kommt im Artikel unter anderem auch zur Sprache.

Antworten

Habt ihr Fragen oder Anregungen für diesen Artikel? Wir freuen uns von euch zu hören!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Inhaltsverzeichnis