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von Steve

Zuletzt aktualisiert am: 19. September 2018

Was ist ein Proxy-Server und wie schützt er euch im Internet?

Wenn ihr euch mit dem Thema Privatsphäre im Internet schon einmal auseinandergesetzt habt, seid ihr mit Sicherheit schon auf den ein oder anderen Proxy-Server gestoßen. Gerade in Zeiten der Spionage durch Behörden wie der NSA, gerät das Thema Privatsphäre und Cybersicherheit immer mehr in den Fokus.

In diesem Artikel erkläre ich euch was ein Proxy-Server ist und wieso ihr einen nutzen solltet. Anschließend gibt es eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie ihr spielend leicht einen Proxy-Server einrichten könnt.

Lasst uns also keine Zeit mehr verlieren und direkt loslegen.

Was ist ein Proxy-Server?

Damit ihr versteht, was ein Proxy-Server ist, sollten wir zunächst einmal erklären, wie das Internet funktioniert.

Jedes Mal, wenn ihr eine Website aufruft, sendet euer Laptop eine Anfrage an einen Server im Internet. Die Anfrage enthält dabei viele Informationen über euch und euren Laptop, wie zum Beispiel die IP-Adresse. Der Server antwortet und sendet die Website daraufhin zu euch zurück. Gleiches gilt auch für Smartphones und alle anderen Geräte, die über das Internet kommunizieren.

Hier kommt nun der Proxy-Server ins Spiel. Ihr könnt euch den Proxy wie eine Art Kellner vorstellen. Wenn ihr euch in einem schicken Restaurant befindet, bringt der Kellner euch die Getränke. Ihr bedient euch nicht selbst an der Bar. So etwa funktioniert auch der Proxy.

Euer Laptop kommuniziert erst mit dem Proxy und dieser fragt daraufhin nach der gewünschten Website im Internet nach. Euer Laptop nimmt dabei nach außen hin die Identität und somit auch die IP-Adresse des Proxy-Servers an.

Warum solltet ihr einen Proxy nutzen?

Der wichtigste Vorteil vorab: Ein Proxy verschleiert die IP-Adresse und ermöglicht so das anonyme Surfen im Internet. Auch das lässt sich mit unserem Restaurant-Beispiel sehr gut erklären.

Nachdem der Kellner eure Bestellung aufgenommen hat, geht er in die Küche und teilt dem Koch das bestellte Essen mit. Der Koch selbst weiß allerdings nicht, für wen er das Essen zubereitet. Ihm ist nur der Kellner bekannt.

  • Ein Proxy-Server ist außerdem eine ausgezeichnete Möglichkeit, um Geoblocking zu umgehen. Wenn ihr zum Beispiel auf Netflix oder Youtube auf länderbezogene Inhaltssperren trefft, könnt ihr diese spielend leicht mit einer neuen IP-Adresse aushebeln. Wie das genau funktioniert, erklärt euch Mauricio super in unserem Praxis-Leitfaden für Geoblocking.
  • Neben der anonymisierten Web-Adresse und dem Freischalten von gesperrten Inhalten bringt ein solcher Server noch einen weiteren, entscheidenden Vorteil mit sich: das Caching von Inhalten. Ein Cache ist ein Zwischenspeicher innerhalb des Proxy-Servers, in dem der Server die Inhalte ablegt, die ihr schon einmal aufgerufen habt.
  • Wenn ihr also eine Website oft anklickt, wird diese nicht mehr aus dem Internet geladen, sondern direkt aus dem Proxy-Speicher zu euch geschickt. So verkürzt der Server die Antwortzeit und ihr könnt schneller surfen.
  • Selbst wenn der Server, den ihr mit eurer Anfrage erreichen wollt, offline ist, merkt ihr das in erster Linie nicht, da der Proxy die zwischengespeicherten Daten an euch gesendet hat. So könnt ihr Webseiten erreichen, auch wenn sie offline sind.

Das Caching bringt allerdings auch einige Nachteile mit sich. Es könnte unter anderem passieren, dass sich veraltete Daten im Cache des Servers befinden, die dann zu euch gesendet werden. Außerdem kann es passieren, dass der Proxy unter Umständen eure IP-Adresse speichert. Das wäre natürlich kontraproduktiv und würde nicht für mehr Privatsphäre und Schutz im Internet sorgen.

Deshalb gilt: umso mehr Proxy-Server, desto besser. Wenn ihr mehr als einen Proxy-Server bis zu eurem Ziel zwischengeschaltet habt, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass eure IP-Adresse auf euch zurückverfolgt werden kann. So funktioniert zum Beispiel das Tor-Netzwerk, welches wir weiter unten im Artikel noch ausführlicher behandeln werden.

Proxy-Server einrichten: Wie geht das?

Kommen wir nun zum praktischen Teil. Wir werden euch nun zeigen, wie man einen solchen Proxy-Server unter Windows 10 einrichten kann. Streng genommen unterscheidet sich die Einrichtung zwischen Windows 7, Windows 8 und Windows 10 nicht groß. Der einzige Unterschied liegt in der Abfolge, wie ihr zu den Proxy-Einstellungen gelangt.

Einen Proxy-Server selbst einzurichten ist spielend leicht. Öffnet zunächst einmal das „Einstellungen“-Menü.

Screenshot Windows 10 – Einstellungen

Windows 10 Einstellungen

Daraufhin öffnet ihr das Menü „Netzwerk und Sicherheit“. Auf der linken Seite seht ihr nun einige Untermenüs. Klickt hierbei auf „Proxy“.

Screenshot Windows 10 – Netzwerk- und Internet-Einstellungen

Proxy-Einstellungen herausfinden

Wie ihr nun sehen könnt, lässt sich ein Proxy unter Windows 10 auf zwei unterschiedliche Arten einrichten: automatisch und manuell.

Screenshot Windows 10 – Proxy-Einstellungen

Automatische und manuelle Proxy-Einrichtung unter Windows 10

Um einen Proxy manuell einzurichten, aktiviert ihr einfach die Einstellung „Proxyserver verwenden“ unter dem Menü „Manuelle Proxyeinrichtung“. Mit demselben Button könnt ihr den Proxy-Server wieder deaktivieren.

Screenshot Windows 10 – Proxy-Server verwenden

Den Proxy-Server aktivieren und deaktivieren

Nun müsst ihr euch entscheiden, welchen Proxy-Server ihr online nutzen wollt. Sucht im Internet nach einem geeigneten Server und schreibt euch die IP-Adresse und den Port des jeweiligen Servers heraus. Hier eine gute Übersicht an sogenannten „Free Proxy Lists“.

Screenshot Free Proxy List

„Free Proxy List“: ihr werdet viele solcher Listen im Internet finden. Wählt euren Proxy-Server allerdings mit Bedacht aus

Tragt dann die jeweiligen Proxy-Informationen in die Felder „Adresse“ und „Port“ im Windows-Einstellungsmenü ein. Am besten kopiert ihr die Proxy-Server-Adresse und den Port von der Website heraus, da beim Abschreiben Tippfehler passieren können.

Screenshot Windows 10 Proxy-Adresse und Port eintragen

Proxy-Server-Adresse und Port eintragen

Klickt abschließend auf „Speichern“ um die manuelle Proxy-Konfiguration abzuschließen.

  • Profi-Tipp von Sonntagmorgen: Wenn ihr euren Proxy-Server manuell einrichtet, solltet ihr die Option „Einstellungen automatisch erkennen“ unbedingt ausstellen. Sonst kann es passieren, dass eure Einstellungen überschrieben werden.

Sofern ihr über ein Skript zur Proxy-Konfiguration verfügt, könnt ihr euren Server selbstverständlich auch automatisch konfigurieren.

VPN, Tor oder Proxy: Was schützt besser?

VPN, Tor und Proxy sind Technologien, die eure wahre Identität im Internet schützen und für mehr Privatsphäre sorgen sollen. Dabei unterscheiden sie sich maßgeblich in der Art wie sie das anstellen.

Bei allen drei Lösungen reduziert sich eure Internetgeschwindigkeit, da ihr weitere technische Komponenten zwischen euch und dem Internet geschaltet habt. Die Kommunikation dauert daraufhin länger. Das ist der Preis, den ihr für mehr Privatsphäre im Netz nun mal zahlen müsst.

Bei einem Proxy kann es allerdings dazu kommen, dass Seiten, die ihr oft nutzt, schneller geladen werden durch die Cache-Funktionalität, die wir weiter oben bereits besprochen haben.

Call Out Image

Besorgt um eure Online-Privatsphäre?

Die besten VPN-Anbieter im Test und Vergleich 2018

Jetzt lesen

Proxy vs. VPN

Vorab solltet ihr eins wissen: Ein Proxy ist ein Server, der mit dem Internet verbunden ist, wie jeder andere Server auch. Er wird nicht auf eurem Laptop installiert, wie etwa ein VPN oder ein Tor-Browser.

Ihr könnt höchstens eine Software herunterladen, die euch beim Einrichten des Proxys unterstützen kann. Allerdings habt ihr weiter oben bereits gesehen, dass es nicht schwierig ist, einen Proxy-Server unter Windows 10 einzustellen, weshalb wir eine solche Software für überflüssig empfinden.

Es gibt viele Webseiten im Netz, die Proxy-Server kostenlos zur Verfügung stellen. Ihr solltet euch allerdings gut überlegen, welchen Server ihr zwischen euch und das Internet schaltet, da der Proxy ebenso sämtliche Informationen über euch und eure Nutzung speichern könnte. Wenn ihr also anonym surfen wollt, könnte ein VPN die bessere Lösung sein.

Screenshot CyberGhost Website – freier Proxy-Zugang

Einige VPN-Anbieter, wie z.B. CyberGhost, bieten kostenlosen Zugang zu ihrem anonymen Proxy-Server an

Ein VPN bringt beides: Anonymität und Datenschutz, da die Internetverbindung verschlüsselt wird. Die Daten, die euer Laptop in das Internet schickt, können nur von dem, der sie auch erhalten soll, gelesen werden. Allerdings hängt der Schutz, den ihr erhaltet, immer vom jeweiligen VPN-Anbieter ab.

  • Wenn ihr nicht genau wisst, welcher VPN der richtige für euch ist, schaut euch unseren VPN Anbieter Test 2018 an.

Proxy vs. Tor

Kommen wir nun zu einem Begriff, den ihr in diesem Artikel schon einige Male gelesen habt: dem {Tor-Browser}. Die Abkürzung Tor steht für „The Onion Router“ und dieses System wurde ursprünglich vom U.S. Militär entwickelt, um die Kommunikation der U.S.-Regierung während Spezialoperationen geheim zu halten. Heute ist die Tor-Foundation eine gemeinnützige Organisation zur Förderung des Online-Datenschutzes. Die Entwicklung von einer militärischen Geheimwaffe zum Anonymisierungs-Tool für alle Internetnutzer ist natürlich bemerkenswert, die ganze Story dazu habe ich euch oben verlinkt.

Screenshot Tor-Browser Webseite

Auf der Website des Tor Projects ist der Tor-Browser zu haben

Im Gegensatz zum Proxy-Server bündelt der Tor-Browser eure Daten in verschlüsselte Pakete, bevor sie ins Internet gelangen. Er entfernt dabei sämtliche Informationen, die Auskunft über den Absender (also über euren Laptop und über euch selbst) geben würden.

Als nächstes verschlüsselt der Browser die Informationen und sendet schließlich die codierten Daten nach dem Zufallsprinzip über viele verschiedene Server, sodass diese nicht zu euch zurückverfolgt werden können.

In der nachfolgenden Tabelle könnt ihr die wesentlichen Unterschiede zwischen VPN, Tor und Proxy-Server sehen:

 VPNTorProxy
DatenverschlüsselungJaJaNein
Anonymisierung eurer IdentitätJaJaJa
GeschwindigkeitseinbußenTeilweise, je
nach Anbieter
Ja, auf jeden FallNein
Umgeht LändersperrenJaJaJa
Abrufen von Streaming und dynamischen Websites problemlos möglich?JaNein, zu langsamJa

Fazit

Ein Proxy-Server ist eine einfache und schnell eingerichtete Möglichkeit, eure IP-Adresse zu verbergen und mit einem Deckmantel im Internet zu surfen. Wer allerdings mehr Wert auf Datenschutz und Privatsphäre im Netz legt, sollte sich einen VPN oder Tor-Browser zulegen.

Seid ihr euch noch immer nicht ganz sicher, welche der drei angesprochenen Technologien die richtige für euch ist, könnt ihr euch gerne unseren ausführlichen Vergleichsartikel zu VPN, Tor und Proxy ansehen.

Habt ihr schon einmal einen Proxy benutzt? Für welchen Server habt ihr euch entschieden und warum? Lasst es uns doch in den Kommentaren wissen!

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2 Kommentare


Mike 15. September 2018 at 19:05

Ausführlicher und leicht verständlicher Beitrag zum Thema – großes Lob! Zu Tor würde ich noch ergänzen, dass viele Internetseiten Zugriffe aus diesem Netzwerk per se blocken.

Reply

Swaantje 16. September 2018 at 18:05

Hi Mike, vielen Dank für die Blumen und deinen Hinweis!

Reply

Habt ihr Fragen oder Anregungen für diesen Artikel? Wir freuen uns von euch zu hören!

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