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von Arne

Zuletzt aktualisiert am: 19. June 2017

Kopi Luwak Kaffee – mehr als teurer Katzen-Kot?

Aus dem Dschungel Südostasiens, von einer seltenen Katzenart gefressen und fermentiert, in ganz kleinen Mengen nur exportiert.

Das sind einige der vermeintlichen Besonderheiten des Kopi Luwak, auch Katzenkaffee genannt. Durch ein sehr gutes Marketing umgibt diesen Kaffee eine mystische Aura. Ich habe mich näher mit dem Kaffee und seiner Herkunft beschäftigt. Dabei bin ich vor allem auf sehr unschöne Aspekte gestoßen.

Herkunft des Kopi Luwak

Der Kopi Luwak kommt aus Südostasien. Dort wird er von örtlichen Farmern produziert und dann in die ganze Welt exportiert. Die Ursprünge dieses Kaffees gehen auf Indonesien zurück. Die dortigen Bewohner hatten als Erste die Idee, die ausgeschiedenen Kaffeekirschen weiter zu verarbeiten.

Die Bezeichnung Katzenkaffee

Die Bezeichnung Katzenkaffee kommt von den katzenartigen Tieren, die die Fermentation übernehmen (dazu gleich mehr). Die Fleckenmusangs, oder auch Schleichkatzen genannt, gehören zur Familie der Civet Katzen. Der Kopi Luwak wird daher auch häufig als Civet Coffee bezeichnet.

Das Besondere an Kopi Luwak

Das Außergewöhnliche am Katzenkaffee ist seine Fermentation. Dieser Prozess beschreibt die spezielle Gärung, bei der organische Stoffe – in unserem Fall Kaffeebohnen – umgewandelt werden.

Bei der Nassaufbereitung von Kaffee werden die Kaffeebohnen aus der Kaffeekirsche gelöst und dann in großen Tanks mit viel Wasser fermentiert. Beim Kopi Luwak läuft dieser Prozess anders ab.

Die Civet Katzen fressen reife Kaffeekirschen. In ihrem Magen wird der Kaffee dann fermentiert. Die anschließend wieder ausgeschiedenen Kaffeebohnen werden gesammelt und weiterverarbeitet. Nach dem Waschen und Rösten halten die Farmer dann einen Kaffee in den Händen, der sich rein optisch nicht sonderlich von anderen Kaffees unterscheidet.

Durch den ungewöhnlichen Fermentationsprozess wird dem Kaffee aber ein besonderes Aroma nachgesagt. So soll er den Geschmack des Dschungels widerspiegeln.

Der angebliche Geschmack des Dschungels

Bei einer meiner letzten Verkostungen hatte ich die Gelegenheit, einen Kopi Luwak zu probieren. Ich war vorab sehr gespannt was mich erwarten würde. Ich hatte schließlich schon viel von diesem besonderen Kaffee gehört und gelesen.

Meine Vorfreude wurde leider alles in allem nicht erfüllt. Insbesondere das nur mittelstarke Aroma und der pelzige Abgang haben mich nicht überzeugt.

Mein Fazit war – und bisher wurde ich nicht vom Gegenteil überzeugt – dass der Katzenkaffee ein guter Kaffee ist. Allerdings nicht so gut wie sein Ruf und nicht mal ansatzweise so gut wie sein Preis vermuten lässt.

Nur um euch eine Einschätzung zu geben: Die eine Tasse damals hat mich schlappe 20 Euro gekostet. Der Kilopreis liegt derzeit bei circa 800 Euro.

Diesen Preis kann der Kaffee durch seinen Geschmack auf keinen Fall rechtfertigen.

Die Geschichte des Kopi Luwak

Aber wieso ist der Katzenkaffee überhaupt so teuer, wenn nicht wegen seines Geschmacks? Ich habe zu Anfang vermutet, dass es bei diesem Kaffee abläuft wie bei der Trüffelsuche. Die Farmer lassen ihre „Trüffelschweine“ los und diese finden dann die ausgeschiedenen Kaffeebohnen. Da die Tiere speziell abgerichtet sein müssen und nur wenig Kaffee-Kot produziert wird, ist der Kaffee so teuer. Meine Vorstellung der “Trüffelschweine” war eine sehr romantische. Im Nachhinein muss ich sagen, dass mir diese Version besser gefällt als die Wahrheit.

Der Preis ist zu einem sehr großen Teil einfach nur eine geschickte Marketing-Masche.

Fangen wir aber von vorn an.

Den Kopi Luwak gibt es in Südostasien schon länger, wahrscheinlich schon einige Jahrzehnte. Er galt damals als außergewöhnlicher, aber trotzdem normaler Kaffee. Seinen internationalen Durchbruch hatte er 1991. Der Brite Tony Ward war zu Besuch in Indonesien und brachte seinen Lieben daheim ein Kilo des Katzenkaffees mit.

Seine Intention war es, dieses sonderbare Produkt zu Hause zu präsentieren. Doch nicht nur seine Familie, sondern auch seine Landsleute bekamen Wind von dem besonderen Kaffee aus Fernost. Die besondere Herstellung und seine Seltenheit – bis dahin jedenfalls – verliehen dem Kaffee automatisch etwas Exotisches und damit Geheimnisvolles. Von da an war der Katzenkaffee aus exklusiven Lebensmittelläden und der gehobenen Gastronomie nicht mehr wegzudenken.

Hinzu kam, dass von dem Kaffee angeblich nur eine halbe Tonne pro Jahr hergestellt wurde. Und wie immer, wenn eine hohe Nachfrage auf ein knappes Angebot trifft, ging der Preis explosionsartig nach oben.

Dieser Umstand lockte dann auch eher zwielichtige Gestalten an, die im Kopi Luwak eine Möglichkeit auf schnelles Geld sahen. Um das zu erreichen, musste die Produktionsmenge deutlich erhöht werden. Natürlich nicht offiziell, dann wäre ja der Preis gefallen.

Jetzt lassen sich aber freilebende Wildkatzen so schlecht verfolgen. Auch ihre “Produktion” von Kaffee-Katzen-Kot folgt keinem festen Plan. Die Farmer konnten also nicht kalkulieren, wann sie wieder neue Ware herstellen konnten.

Die „Lösung“ für dieses „Problem“ finden die Hersteller in der Käfighaltung.

Sie fangen die Civet Katzen in großen Mengen, stecken sie in Käfige und geben ihnen nur noch Kaffeekirschen zu fressen. Der Kotbehälter steht auch gleich mit im Käfig, so dass die wertvollen Ausscheidungen direkt aufgefangen werden können.

Auf diese Weise kann die Produktion drastisch erhöht werden und damit der Gewinn stark gesteigert werden.

Offiziell liegt die Produktion übrigens immer noch bei 500 Kilogramm im Jahr. Nach realistischen Schätzungen lag die Produktion im Jahr 2013 aber bereits bei 50 Tonnen.

Massive Tierquälerei bei der Herstellung

Wie ihr wahrscheinlich aus dem bisherigen Artikel herauslesen konntet, bin ich kein Fan dieser Kaffeeproduktion.

Civet Katzen sind Wildtiere, die sehr viel Bewegung brauchen. Zudem sind sie sehr scheue, nachtaktive Einzelgänger. Der Platz, den sie sonst im Dschungel für sich alleine haben, müssen sie sich in Käfighaltung mit 50 anderen Tieren teilen. Aber auch nur, wenn sie Glück haben. Ein Video von PETA zeigt, dass die Tiere nur das circa vierfache ihrer eigenen Größe als Platz zum Leben haben.

Die Enge, die ungewohnte Nähe zu anderen Tieren und die mangelnde Bewegung führen zu Verhaltensauffälligkeiten. Sie zeigen Verhaltensmuster, die in der Wissenschaft als „Wahnsinn“ bezeichnet werden.

Die Katzen werden zudem ausschließlich mit Kaffeekirschen gefüttert. Das erhöht die ausgeschiedene Menge an fermentierten Kaffeebohnen und soll die Reinheit steigern. Kaffeekirschen mögen ja ganz lecker sein, aber als ausschließliche Nahrung sind sie mit Sicherheit nicht geeignet. Die Folge ist eine gravierende Mangelernährung bei den Katzen, die sich vor allem in Vitamin- und Nährstoffmangel zeigt.

Lässt die Produktion der Katzen dann nach einigen Jahren (!!) nach, werden sie wieder in die Freiheit entlassen. Auf Grund der gerade genannten Mängel überleben sie dort aber nicht lange.

Die BBC hat die Zustände bei der Herstellung des Katzenkaffees untersucht. Mit erschreckenden Ergebnissen.

Aufgrund all dieser Probleme, ruft die Tierschutzorganisation PETA  dazu auf, keinen Kopi Luwak zu kaufen.

Artgerechter Katzenkaffee

Es gibt einige Anbieter, die behaupten, ihr Civet Coffee stamme aus artgerechter Haltung, bzw. von frei lebenden Katzen.

Ich habe euch ja eben meine Vision vom “Trüffelschwein” erzählt. Sollte auf diese Art und Weise wirklich der Kaffee gewonnen werden, wäre der Aufwand ungleich höher als bei der derzeitigen Herstellung. Das Produkt wäre also auch noch mal teurer als der ohnehin schon teure Kaffee. Ein solches Angebot gibt es aber schlichtweg nicht.

Ein weiteres Problem bei dieser Behauptung ist die Kontrolle. Es gibt keine Stelle oder Behörde, die die artgerechte Haltung der Katzen zertifiziert oder überwacht. Somit ist es eher unrealistisch, dass die Katzen wirklich artgerecht gehalten werden.

Es ist also auch bei Katzenkaffees mit dem Prädikat „Wildlese“ durchaus Vorsicht angebracht. Am besten kauft ihr ihn erst gar nicht.

Fazit

Lasst die Finger von Kopi Luwak!

Ich weiß, ich habe ihn selber mal probiert. Aber zum Glück lernt man ja mit der Zeit dazu.
Und weil ich ihn probiert habe, will ich euch vor diesem Fehler bewahren. Denn auch geschmacklich hält der Katzenkaffee nicht was er verspricht. Es ist geschmacklich kein schlechter Kaffee, aber bestimmt keine 20 Euro pro Tasse wert.

Der Aspekt des Geschmacks tritt aber vollkommen in den Hintergrund, wenn man sich die Art und Weise der Herstellung ansieht. Tiere werden unter lebensunwürdigen Umständen zu möglichst hoher Kaffee-Kot-Produktion gequält.

Das kann und will ich nicht unterstützen!!! In dem Punkt stimmt ihr bestimmt mit mir überein.

Und Tony Ward?

Der bereut es sehr, 1991 den Kaffee mit nach Europa gebracht zu haben. Er engagiert sich seither stark im Tierschutz, vor allem bei der Organisation PETA. Seine Stimme hört ihr übrigens in dem oben verlinkten Video von PETA.

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von Arne


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