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von Arne

Zuletzt aktualisiert am: 20. June 2017

Kaffee selber mischen – Willkommen in der Zauberküche

Okay, ich gebe zu, die Überschrift ist vielleicht etwas übertrieben. Aber manchmal fühle ich mich beim Selbermischen wirklich wie in einer Zauberküche. Es entstehen viele neue Aromen und am Ende ein hoffentlich märchenhaftes Ergebnis.

Aber beginnen wir von Anfang an. Grundsätzlich unterscheidet man nämlich zwischen zwei Arten von Selbermischen. Das Mischen lassen bei einem Anbieter und das Selbermischen zu Hause. Ich beschäftige mich zuerst mit dem Mischen lassen.

Kaffee individuell mischen lassen

Kaffee selber zu mischen hat schon eine längere Tradition. Bereits 1987 konnten Kunden in den Filialen von Tchibo ihre eigene Mischung aus den Schüttvorrichtungen erhalten. 2008 war Sonntagmorgen.com damals die erste Rösterei, die dieses Verfahren auch online angeboten hat.

Das Mischen bei einem Online-Anbieter hat dabei einige Vorteile. So könnt ihr euch hier in aller Ruhe über alle Aspekte eines Kaffees – sofern angegeben – informieren, bevor ihr mit der Zusammenstellung beginnt. Das ist in einer Filiale mit einer langen Warteschlange hinter euch eher schwierig.

Auch könnt ihr euch bei verschiedenen Anbietern Empfehlungen anzeigen lassen. Ihr wählt also euren favorisierten Kaffee und die Seite zeigt euch dann, mit welchen anderen Sorten er sich gut kombinieren lässt. So gesehen zum Beispiel bei my-own-coffee.

Die Individualisierung eurer eigenen Mischung soll dann in drei Schritten ablaufen:

  1. Kaffeemischung zusammenstellen: Wählt die Kaffeesorten ganz nach eurem Geschmack.
  2. Mahlgrad wählen: Am besten natürlich „Ganze Bohne“. Ich empfehle immer, den Kaffee direkt vor dem Zubereiten zu Hause mit einer guten Mühle selber zu mahlen. Nur so behält er möglichst lange sein Aroma.
  3. Verpackung gestalten: Einige Anbieter ermöglichen eine Auswahl an verschiedenen Designs für die Verpackung. Ihr könnt teilweise auch noch eine eigene Beschriftung vornehmen.

Nachdem Sonntagmorgen.com als Vorreiter den Markt des Selbermischens begründet hatte, folgten diverse Unternehmen nach.

Komischerweise bezeichnen einige Unternehmen auch schon das Designen der Verpackung als Selbermischen. Ich führe sie hier trotzdem mal mit auf, damit ihr einen Überblick bekommt. Ihr könnt dann selber entscheiden, ob der Service der richtige für euch ist.

  • Mein-Kaffee.de: Bei diesem Anbieter könnt ihr nur die Verpackung individuell designen und im Anschluss einen vorgefertigten Kaffee wählen. Ein Mischen von mehreren Sorten ist nicht möglich.
  • Julius Meinl: Auch hier erwartet euch eine reduzierte Variante des Mischens. Ihr könnt im Shop das Design der Verpackung wählen. Im Anschluss entscheidet ihr euch für eure favorisierte Zubereitungsart, z.B. Filterkaffee. Der Konfigurator gibt euch dann einen Blend (Mix) aus zwei Sorten vor. Dieser wechselt je nach Zubereitungsart. Ein Verschnitt in anderer Zusammenstellung ist nicht möglich.
  • Paduno: Paduno ist gestartet mit dem Anspruch, individuelle Mischungen für Kaffee-Pads anzubieten. Mittlerweile kann man über das Unternehmen nur noch vorgegebene Sorten von Kaffee-Pads beziehen. Dafür bieten sie inzwischen auch normalen Kaffee und Espresso an.
    Das erscheint auch durchaus sinnvoller, verliert der Kaffee in den Pads doch sehr schnell sein Aroma. Da kommt das Aroma von eurer selbstgewählten Kreation mit Sicherheit nicht mehr bei euch Zuhause an.
  • Tridor Kaffeemanufaktur: Dieser österreichische Hersteller bietet das Zusammenstellen eures persönlichen Lieblingskaffees an. Im Onlineshop habt ihr die Wahl zwischen zehn verschiedenen Kaffeesorten. Diese könnt ihr beliebig zusammenstellen und dann auch noch die Menge der jeweiligen Sorte festlegen. Tridor liefert für geringfügig höhere Versandkosten auch nach Deutschland.
  • my-own-coffee: Das Bremer Unternehmen bietet euch die Möglichkeit einer Mischung nach eurem Geschmack an. Dazu wählt ihr einen Basis-Kaffee und dann ergänzende Kaffees. Hier erhaltet ihr auch Tipps, welche Sorten gut zusammenpassen.
Kaffee Verkostung

Probieren geht über studieren!

Bei der Recherche zu diesem Artikel ist mir aufgefallen, dass sich der Markt bei den Online-Anbietern ganz schön stark gelichtet hat. Wenn man von dem ursprünglichen Gedanken ausgeht, dass ihr euch euren Kaffee selber mischen wollt, bleiben sogar nur zwei Anbieter übrig. Das sind Tridor und my-own-coffee. Das ist nicht gerade viel und kann einen in der Auswahl an Kaffees schon mal stark einschränken.

Mischen in der Rösterei vor Ort

Hilfe gibt es diesmal außerhalb der digitalen Welt.

Zu meinem – und auch eurem – Glück, gibt es in immer mehr Städten kleine, private Röstereien. Meistens trifft man den häufig noch jungen Chef direkt hinter dem Verkaufstresen an. Ich habe es dort schon häufiger erlebt, dass ein individuelles Zusammenstellen einer Mischung möglich ist.

Auch wenn die Rösterei nicht direkt damit wirbt. Besonders einfach wird es, wenn das Geschäft nicht nur vorgefertigte Packungen anbietet, sondern jede Packung erst bei Kauf abfüllt. Dann ist es meistens kein Problem, verschiedene Sorten zu mischen.

Kaffee komplett Selbermischen

Ihr habt aber auch noch eine andere Möglichkeit, zu eurem persönlichen Wunsch-Kaffee zu kommen. Ihr könnt ihn Selbermischen. Und damit meine ich nicht nach euren Wünschen
mischen lassen, sondern wirklich selber mischen.

Dazu braucht ihr eigentlich nur:

  • verschiedene Kaffees eurer Wahl
  • eine Küchenwaage
  • ein Notizbuch (um eure Mischungen zu dokumentieren)

Wenn ihr solche Kaffee-Enthusiasten wie ich seid, dann habt ihr im Zweifel mehr als eine Sorte Kaffee zu Hause.

Falls nicht und ihr wollt das Experiment Selbermischen angehen, gibt es in einem Artikel von mir auf coffeeness.de einige Anregungen für leckere Kaffeesorten.

Viele dieser Kaffees könnt ihr problemlos über das Internet beziehen. Die Mindestbestellmenge liegt meistens bei 250 Gramm. Ich empfehle euch, mit zwei Kaffeesorten zu starten. Ihr könnt den Geschmack ja nicht nur über die Anzahl der Sorten, sondern auch über das Mengenverhältnis variieren.

Kaffee Verkostung

Entscheidet euch nach der Verkostung für euren Lieblingskaffee

Oder ihr schaut euch mal in eurer Umgebung um. Wie eben schon angemerkt, gibt es in immer mehr Städten kleine Röstereien, die auch geringe Kaffeemenge verkaufen. Auch auf dem Wochenmarkt könnt ihr häufig fündig werden. Diese Röstereien oder Verkäufer bieten oft auch kleine Mengen an. So könnt ihr viele verschiedene Sorten (nacheinander) kaufen und euch dann zu Hause an eure perfekte Mischung herantasten.

Die Vorteile vom Selbermischen

Aber warum soll ihr den ganzen Aufwand überhaupt betreiben? Es gibt doch ein paar, wenn auch wenige, Anbieter, die schon nach eurem Geschmack mischen. Da müsst ihr euch doch nicht noch mit Notizbuch und Waage in die Küche stellen und Miraculix spielen.

Naja, eigentlich richtig. Folgende Gründe sprechen für ein komplettes Selbermischen:

  1. Ihr seid nicht auf die Kaffees der „Mischanbieter“ festgelegt. Ihr könnt also aus mehr als den meistens maximal zehn Sorten wählen und wirklich eure Lieblingskaffees kombinieren.
  2. Ihr könnt das Beste nehmen, was ihr bekommt. Nicht das Beste, was euch vorgegeben wird. Das ist ein riesiger Unterschied!
  3. Ihr habt mehr Kombinationsmöglichkeiten. Wenn ihr euch für eine Mischung aus vier Kaffees bei einem Anbieter entscheidet, ist diese Mischung fix. Wenn ihr aber vier Kaffees einzeln kauft und diese dann selber mischt, habt ihr x-fach mehr Möglichkeiten.
  4. Ihr könnt eure persönliche, perfekte Mischung finden. Dazu könnt ihr in kleinen Mengen so lange experimentieren, bis ihr das für euch perfekte Mischverhältnis gefunden habt. Bei fertigen Mischungen ist dies entweder sehr teuer oder gar nicht möglich.
  5. Ihr habt Spaß. Hoffe ich zumindest. Wahrscheinlich werdet ihr beim Zusammenstellen und Probieren ganz neue Geschmacksrichtungen kennenlernen. Das bringt nicht nur neue Erfahrungen, sondern meistens auch viel Freude.
  6. Es kann eigentlich nichts schief gehen. Dazu gleich noch mehr.

Hinweise zum Selbermischen

Am besten ihr probiert euch beim Mischen einfach aus. Dann werdet ihr die besten Ergebnisse erzielen. Ich gebe euch aber gerne ein paar grundlegende Hinweise mit auf den Weg.

  1. Achtet beim Mischen auf den Charakter eurer Kaffees. Passen sie von den Aromen zusammen? Ergänzen sich die Säuren oder wird das Endprodukt zu sauer?
    my-own-coffee empfiehlt beispielsweise, Kaffees aus Südamerika als Basis zu nehmen. Dazu empfehlen sie als Kombination andere Kaffees aus Südamerika oder Kenia. Lest am besten die Beschreibung des Kaffees genau durch und probiert dann aus.
  2. Besorgt euch einen Kaffee zum Vergleichen. Nehmt dazu am besten euren bisherigen Lieblingskaffee. Ihr werdet viel probieren und dabei auch viele neue und verschiedene Aromen kennenlernen. Um einen guten Vergleich zu haben, braucht ihr deshalb eine neutrale Basis. Mit dem bekannten Geschmack könnt ihr dann die neuen Mischungen vergleichen.
  3. Notiert euch die Mischverhältnisse. Wie gerade schon erwähnt, werdet ihr bestimmt viel Probieren. Das nützt aber nichts, wenn ihr am Ende eure beste Mischung nicht mehr nachbauen könnt. Schreibt deshalb immer auf was ihr mischt.
  4. Immer weiter machen. Bestimmt kommt zwischendurch mal etwas raus, was euch nicht ganz so gut schmeckt. Das ist egal. Probiert einfach weiter, am Ende wird es schon klappen.
  5. Nehmt nicht zu wenig von einem Kaffee. Ich halte mich immer an die 20%-Regel. Jeder Kaffee muss zu mindestens 20% in der Mischung vertreten sein, sonst lasst ihn ganz weg. Bei einer kleineren Menge kann er seinen Charakter nicht einbringen und verfälscht nur das Ergebnis.
  6. Verwendet immer die gleiche Zubereitungsmethode. Entscheidet euch also vorab für eine Methode, zum Beispiel die French Press, und bleibt dann dabei.

Fazit

 

Einfach mal machen!

Wenn ihr wirklich Interesse am Selbermischen habt, dann probiert es aus. Testet euch durch die verschiedensten Kreationen und habt Spaß dabei. Finanziell ist es kein großer Aufwand und wenn ihr den Spaß verliert, könnt ihr den restlichen Kaffee auch einfach so trinken.

Im Gegensatz zum Mischen anderer Substanzen kann euch bei Kaffee auch nichts passieren. Im schlimmsten Fall schmeckt es komisch. Oder „interessant“, wie Alfred Biolek sagen würde. In diesem Sinne, ran an die Messbecher und los geht’s!

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